Mein 1. Spaziergang rund um die Floridsdorfer „Burg“

Der imposante Paul-Speiser-Hof, vom Broßmannplatz gesehen.

Seit 2020 – kurz vor dem ersten Covid-Lockdown – wohne ich in Floridsdorf, einer der beiden großen Bezirke nördlich der Donau. Viele Wiener*innen ächzen, wenn sie hören, dass ich “da draußen” wohne – dabei ist es mit S-Bahn und U-Bahn gut angebunden und bietet viel Lebensqualität mit der nahen Alten Donau (ein Seitenarm der Donau, das als Naherholungsgebiet genutzt wird). 

Schon bevor ich hier gewohnt habe, haben mich meine Wege manchmal hierher geführt. Bevor die U-Bahn von der Donaubrücke kommend in den Tunnel unter dem Bahnhof Floridsdorf abtaucht, erhebt sich ein mächtiges Gebäude, bei dem mir gleich der Begriff “Burg” gekommen ist. Umso erstaunter war ich, dass es sich dabei um kein öffentliches, zu Repräsentationszwecken genutztes Gebäude handelt, sondern um einen Gemeindebau. Der Paul-Speiser-Hof hat einige typische Merkmale: Die zahlreichen “Stiegen” (Hauseingänge) sind über begrünte Innenhöfe zugänglich, wo sich alte Baume, Bankerl und Fahrräder begegnen. 

Der Waschsalon im Paul-Speiser-Hof. Die Rampe ist bestimmt neueren Datums.

Vor über hundert Jahren war es Teil der Philosophie, Gemeinschaftseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Neben geteilten Bädern und Einrichtungen wie z.B. Bibliotheken gehörte ein Waschsalon dazu. 

In diesem Grätzel muss man nicht lange suchen, um auf den nächsten Gemeindebau zu stoßen. Gleich nebenan befindet sich ein weiterer großer Bau. Dieser zieht sich der Bahnzeile entlang bis zur Franklinstraße – einer schönen, verkehrsberuhigten Allee, in der sich mehrere schulische Einrichtungen und das öffentliche Hallenbad befinden. 

Ganz in der Nähe befinden sich einige weitere Gemeindebauten, die allerdings kleiner und weniger spektakulär sind. Die Architektur der 1960er finde ich deutlich weniger ansprechend als den Stil der 1930er, der in vielen Details wie den Fensterbögen oder den Holztüren zu den Stiegen eine robuste, zweckdienliche Eleganz ausstrahlt.

Faszinierend finde ich, dass sich Gemeindebauten auch in diesen “Premium-Lagen” finden – in den 1960ern war Floridsdorf bestimmt noch kein heißes Pflaster, heute ist die Lage direkt an der Alten Donau idyllisch und Dank der Öffi-Anbindung, die es vor einigen Jahrzehnten noch nicht gegeben hat, heute fast unbezahlbar.


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